Hot, hot, hot!
Es gibt diesen einen Blick, den jeder Oldtimer-Fahrer im Hochsommer kennt. Man steht im Stau, die Sonne brennt auf das Blech, und während der Schweiß langsam den Rücken hinunterläuft, wandert das Auge wie magnetisch zur Temperaturanzeige. Und siehe da – die Nadel schwitzt mit. Langsam, aber unaufhaltsam klettert sie nach rechts, und plötzlich hat man das Gefühl, das eigene Herz täte es ihr gleich. Willkommen in der schönsten und gleichzeitig schweißtreibendsten Zeit des Oldtimer-Jahres.
Wir bei der Grand Tour Society wissen, wovon wir reden. Auf unserer letzten Rallye haben wir bei Temperaturen, die unsere Klassiker eher als persönliche Beleidigung denn als Fahrwetter empfanden, reichlich Gelegenheit gehabt, das Verhältnis zwischen altem Blech und großer Hitze zu studieren. Und weil geteiltes Leid bekanntlich halbes Leid ist, kommt hier ein kleiner Überlebensratgeber für alle, deren Liebling noch ohne Klimaautomatik und Bordcomputer auskommt.

Der Klassiker unter den Sommerproblemen ist die Überhitzung im Stau. Solange man fährt, sorgt der Fahrtwind für Kühlung, doch im Stillstand dreht der mechanische Lüfter nur müde mit, und die Hitze staut sich unter der Haube. Hier hilft ein Trick, der so alt wie genial ist und gleichzeitig der Tapferkeit des Fahrers würdig: Heizung voll auf. Ja, richtig gelesen. Die Heizung zieht Wärme vom Motor in den Innenraum und entlastet so den Kühler. Für die Insassen ist das eine Sauna auf Rädern, für den Motor die Rettung. Wer also bei fünfunddreißig Grad mit hochroter Birne und voll aufgedrehter Heizung im Stau steht, ist kein Verrückter – sondern ein Kenner.
Das zweite große Sommerthema betrifft vor allem die Freunde der Vergasermotoren: die Dampfblasenbildung, im Fachjargon Vapor Lock genannt. Bei großer Hitze kann der Kraftstoff bereits in der Leitung verdampfen, bevor er überhaupt im Vergaser ankommt. Die Folge ist ärgerlich und immer wieder verblüffend: Der Wagen läuft tadellos, man hält kurz beim Bäcker, kommt mit Brötchen zurück – und plötzlich orgelt der Motor bockig vor sich hin und mag einfach nicht mehr anspringen. Ein paar Minuten Geduld, bis sich alles wieder beruhigt hat, sind dann meist die beste Medizin. Die Fahrer moderner Einspritzer kennen dieses Phänomen gar nicht mehr und schauen einen bei der Erklärung an, als spräche man von einer Dampflokomotive. Genau das macht den Charme aus.
Damit es gar nicht erst so weit kommt, lohnt ein prüfender Blick aufs Kühlsystem, am besten lange vor der ersten Hitzewelle. Ein verkalkter Kühler kühlt nicht mehr richtig, ein müder Thermostat öffnet zu spät, und ein ausgeleierter Keilriemen lässt die Wasserpumpe schludern. Auch das Mischungsverhältnis der Kühlflüssigkeit will stimmen, denn das Kühlmittel senkt nicht nur den Gefrierpunkt im Winter, sondern hebt im Sommer auch den Siedepunkt. Wer hier vorsorgt, erspart sich später die Bekanntschaft mit dem Pannendienst an der heißesten Stelle der schönsten Passstraße.

Und dann ist da noch all das, woran man im ersten Moment gar nicht denkt. Die Öltemperatur steigt bei Hitze und Belastung schneller, als einem lieb ist. Reifen, die viele Jahre auf dem Buckel haben, mögen den glühenden Asphalt gar nicht und sollten regelmäßig auf ihr Alter und feine Risse geprüft werden, denn gutes Profil allein sagt nichts über hartes, sprödes Gummi. Und schließlich der wichtigste Faktor von allen: der Mensch hinterm Lenkrad, der in einem Innenraum ohne Klimaanlage gnadenlos mitgegart wird.
Deshalb zum Schluss noch ein paar einfache Ratschläge, die sich tausendfach bewährt haben. Früh am Morgen losfahren, wenn die Luft noch kühl und die Straßen noch leer sind, ist im Hochsommer Gold wert. Immer genug Wasser dabeihaben – für den Menschen zum Trinken und für den Notfall auch für den Motor. Und falls die Nadel doch einmal in den roten Bereich klettert: anhalten, abkühlen lassen und auf keinen Fall den heißen Kühlerdeckel öffnen. Der kochende Inhalt steht unter Druck und sucht sich seinen Weg nach draußen mit einer Entschlossenheit, die man niemandem wünscht.

Am Ende gehört die Hitze zum Sommer dazu wie das Knattern zum alten Motor. Sie macht aus einer entspannten Ausfahrt eine kleine Expedition, aus jedem erreichten Ziel einen kleinen Triumph und aus uns Fahrern eine eingeschworene Gemeinschaft von leicht Verrückten, die freiwillig schwitzt. Und wenn die Temperaturnadel das nächste Mal mitschwitzt, dann wisst ihr ja jetzt: Heizung auf, Ruhe bewahren, Brötchen erst nach dem Abkühlen.
