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      Droht der jährliche TÜV-Marathon?

      Oldtimer-Fans konnten Ende 2025 erst einmal aufatmen: Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, alle Autos über zehn Jahre künftig jedes Jahr zur Hauptuntersuchung (HU) vorzuführen – also doppelt so oft wie bisher.

      Das hätte praktisch jedes klassische Fahrzeug betroffen. Unsere geliebten Oldies sind schließlich alle „Ü30“ und damit weit jenseits der Zehn-Jahres-Grenze.

      Die Idee sorgte für nervöses Zucken in mancher Schrauberwerkstatt: Müssen wir unsere chromblitzenden Schätzchen nun jährlich dem TÜV-Prüfer vorführen? Wird die Oldtimer-Saison von zusätzlichem Terminstress getrübt?

       

      Erstmal Entwarnung aus Brüssel

      Vorerst können wir Entwarnung geben. Im Dezember 2025 sagten die EU-Verkehrsminister Nein zu diesem Vorstoß. Das Hauptargument: eine unverhältnismäßige Belastung für Autobesitzer – finanziell wie zeitlich.

      Für Oldtimer-Liebhaber heißt das: Der befürchtete jährliche TÜV-Marathon ist vorerst vom Tisch.

      Ganz durchgeatmet wird aber noch nicht. Die Diskussion läuft weiter, denn das EU-Parlament debattiert noch. Am Ende müssen Kommission, Parlament und Mitgliedstaaten einen Kompromiss finden. Ein wachsames Auge auf die EU-Ticker bleibt also ratsam – aber bitte ohne Panik.

       

      Was sagen Oldtimer-Verbände?

      Die Reaktion der Oldtimer-Verbände fiel eindeutig aus: Ablehnung auf ganzer Linie. Ihre Argumente sind plausibel – und teils charmant formuliert.

       

      Oldtimer sind keine Dauerraser

      Klassiker werden meist nur bei gutem Wetter und zu besonderen Anlässen bewegt. Eine Ausfahrt hier, ein Treffen dort. Im Schnitt kommen Oldtimer auf etwa 1.000 bis 2.000 Kilometer pro Jahr – deutlich weniger als Alltagsfahrzeuge.

      Viele Oldies verbringen mehr Zeit unter dem Carcover als auf der Straße. Die Frage liegt nahe: Braucht es wirklich doppelt so viele Prüfungen für Fahrzeuge, die so selten unterwegs sind?

       

      Gepflegte Schätzchen statt Problemfahrzeuge

      Oldtimer sind Liebhaberfahrzeuge. Ihre Besitzer pflegen sie mit Herzblut: Ölwechsel, Ventilspiel, Chrompflege. Technische Mängel als Unfallursache? So gut wie nie.

      Eine große Versicherung meldete sogar, dass kein einziger Unfall durch einen technischen Defekt bei Oldtimern bekannt sei. Der Sicherheitsgewinn zusätzlicher Prüfungen wäre also minimal – Bürokratie und Kosten hingegen real.

       

      Kulturelles Erbe auf Rädern

      Oldtimer sind rollendes Kulturgut. Verbände betonen regelmäßig, dass historische Fahrzeuge Teil unseres technischen Erbes sind.

      Ein 50 Jahre alter Benz oder Käfer erzählt Geschichte. Ihn pauschal unter Generalverdacht zu stellen, lehnt die Szene entschieden ab. Auch große Automobilclubs teilen diese Einschätzung.

       

      Das „H“ steht für Historie – und Hoffnung

      In der Debatte taucht immer wieder ein Buchstabe auf: das H. Das H-Kennzeichen ist das offizielle Historien-Siegel für Fahrzeuge ab 30 Jahren in gutem, originalgetreuem Zustand.

      Es bringt Vorteile wie Pauschalsteuer, oft günstigere Versicherungen und freie Fahrt in Umweltzonen. Vor allem aber signalisiert es: Dieses Fahrzeug ist erhaltenswertes Kulturgut.

       

      H-Kennzeichen als Schutzschild

      In den EU-Vorlagen sind Ausnahmen für historische Fahrzeuge ausdrücklich vorgesehen. Deutschland hätte Spielraum, H-Fahrzeuge von neuen Prüfpflichten auszunehmen.

      Nach aktuellem Stand gibt es keinerlei Bestrebungen, das H-Kennzeichen anzutasten. Die Szene wächst sogar weiter: Immer mehr Fahrzeuge erreichen das Oldtimer-Alter, die Zahl der H-Kennzeichen steigt stetig.

       

      Wohin geht die Reise?

      2026 steht die nächste Diskussionsrunde auf EU-Ebene an. Sollte es zu neuen Vorgaben kommen, müssen diese erst national umgesetzt werden – mit Ausnahmen für Oldtimer.

      Es ist sogar denkbar, dass Oldtimer am Ende genauso gestellt bleiben wie bisher. Manche hoffen sogar auf längere Prüfintervalle. Warum nicht mal fünf Jahre TÜV für Oldies?

       

      Fazit: Positiv in die Zukunft

      Ein genereller jährlicher TÜV für Oldtimer ist derzeit unwahrscheinlich. Das H-Kennzeichen bleibt ein starkes Schutzinstrument.

      Wachsamkeit ist weiterhin sinnvoll – Panik nicht. Oldtimer sind mehr als alte Autos. Sie sind Geschichte auf Rädern. Und diese Geschichte wird man nicht so leicht ausbremsen.